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Freiheit für die Pobacken

Bei der Love-Parade habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Das zweite Mal am Christopher Street Day. Und zuletzt ungeniert mitten im Schaufenster von Beate Uhse: Hosen mit Löchern.

Ich weiß: Alle Hosen haben Löcher. Oben und unten. Die brauchen wir, um sie anziehen zu können. Manche Hose hat zusätzlich eine Öffnung vorn. Aus praktischen Gründen. Vor allem bei Männern.

Früher kam es vor, dass Hosen nach längerem Gebrauch Risse bekamen. Vorn und hinten. Mittlerweile kommen die Hosen schon mit derartigen Löchern in die Läden. Das ist modern. Und soll sexy sein.

Was ich meine, sind zwei große runde Löcher hinten oben. Bitte denken Sie jetzt nicht an das so genannte Bauarbeiter-Dekolleté! Das finde ich eklig. Und halte es für eine Zumutung, die ich mir nicht gefallen lassen möchte.

Die Löcher, die ich meine, geben nur die Pobacken frei. Alles andere bleibt züchtig bedeckt. Klamotten-Designer kriegen das hin.

Für mich sind Hosen mit solchen Löchern im besten Sinn des Wortes anziehend und weit mehr als eine zivilisierte Form der Freikörperkultur. Obwohl sie durchaus gesund sein dürften. Bringen sie doch endlich frische Luft dahin, wo sie hingehört. Und ein bisschen Sonnenbräune wird dort auch nicht schaden.

Ich gehe soweit zu sagen: Diese Löcher sind eine ästhetische Errungenschaft. Im Gegensatz zur Nabelschau, die zum modischen Zwang geworden ist - egal aus welchen Wölbungen die Näbel hervorlugen. Für schlimmer halte ich nur Hängebäuche, die aus kurzen T-Shirts quillen. 

Pobacken sind schön. Nicht alle, aber viele. Wo sonst hat der menschliche Körper so stattliche Rundungen aufzuweisen? Und zwar unabhängig davon, ob der Körper einer Frau oder einem Mann gehört.

Meiner Meinung nach gibt es im Blick auf diese Rundungen und ihre Vielfalt noch manches zu entdecken. Und wo es nicht passt, bei Gericht zum Beispiel oder in der Kirche, kann man ja etwas darüber hängen.

Reinhard Mey hat dem menschlichen Gesäß ein Lied gewidmet. Ich widme ihm diesen Text. Nicht, weil ich Po-Fetischist bin, sondern aus tiefem Mitgefühl für die lange Versteckten fordere ich: Freiheit für die Pobacken!

Wer hat den Mut, wer setzt den Trend? Wie einst France Gall mit zwei Apfelsinen im Haar und an der Hüfte Bananen. Dann, vielleicht noch dieses Jahr - ich kann es heute erahnen - trägt die modische Welt das, was dem Pofreund gefällt.

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